Massenmedien und Konflikttransformation. Entwicklung von Dialogplattformen für Nachwuchsjournalist*innen

Das Projekt „Massenmedien und Konflikttransformation“ bringt Nachwuchsjournalist*innen, Expert*innen und Analytiker*innen aus Russland, der Ukraine und den Staaten des Südkaukasus zusammen, um ein gemeinsames transnationales Netzwerk und eine Dialogplattform im Bereich der Konflikttransformation und Friedensarbeit zu schaffen. Bei zwei Workshop-Treffen, die in St. Petersburg (01.-05. Oktober 2016) und Lwiw (09.-14. Oktober 2016) stattfanden, wurde in der Zusammenarbeit von Nachwuchsjournalist*innen aus der Russischen Föderation und der Ukraine eine neue Perspektive auf den Konflikt geschaffen. Anschließend wurden für eine Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit an der friedlichen Konflikttransformation diejenigen Teilnehmer*innen ausgewählt, die sich bei den Workshop-Treffen am stärksten engagierten. Zu dem dritten Workshop-Treffen, das Anfang Dezember 2016 in Berlin stattfand, wurden 16 Studierende und junge Journalist*innen eingeladen, von denen sechs aus Russland, acht aus der Ukraine und zwei aus dem Südkaukasus stammen. Mit diesen Teilnehmer*innen  konnte sehr erfolgreich ein russisch-ukrainischer Dialog durchgeführt werden, der es ermöglichte, gemeinsam an Projekten zur Konflikttransformation und Friedensarbeit zu arbeiten. Gleichzeitig bildete sich durch diese Arbeitserfahrung ein Netzwerk zwischen den Teilnehmer*innen, in das auch erfahrene Journalist*innen und Expert*innen einbezogen wurden.

Im Verlauf des Dialogs wurde ein offener und kontroverser Meinungsaustausch geführt, der offenbarte, dass die Journalist*innen große Probleme beim Zugang zu Informationen haben. Erst durch diese Diskussionen konnten sich die Teilnehmer*innen bewusst machen, dass sie oftmals nur ein vages Verständnis von der Situation und den Prozessen im jeweiligen Nachbarland haben, die dem Konflikt zu Grunde liegen. So wurde deutlich, dass auch Journalist*innen in ihren Denkweisen von einem System aus Stereotypen und Mythen beeinflusst sind, welches sich nur im persönlichen Gespräch durchbrechen lässt – vorausgesetzt, es kann gegenseitiges Verständnis und Vertrauen hergestellt werden. Auch wenn sich die Teilnehmer*innen vorher nicht kannten und keine Erfahrungen mit einer ähnlichen grenzübergreifenden Zusammenarbeit hatten, gelang es, durch die Workshops dieses gegenseitige Verständnis und Vertrauen herzustellen. Die Bereitschaft der Teilnehmer*innen aus den unterschiedlichen Ländern bei Projekten zusammenzuarbeiten und als Co-Autor*innen aufzutreten, kann hierbei als klarer Indikator für das Gelingen dieses Projektziels verstanden werden.

Der Projekterfolg lässt sich aber auch anhand von Reaktionen professioneller Journalist*innen aus Russland und der Ukraine auf dieses Projekt abschätzen, die Kooperationen zwischen Journalist*innen aus den Nachbarländern in der gegenwärtigen Situation für nahezu unmöglich halten. Dass während der Workshops gegenseitiges Vertrauen als Grundlage eines stabilen Netzwerkes hergestellt werden konnte, beruht somit nicht allein auf dem Aufbau von persönlichen Kontakten der Teilnehmer*innen, die während der Workshops in einen Dialog miteinander traten, sondern auch auf der Zusammenarbeit an Artikeln zu Themen rund um den Konflikt. Das Fortbestehen des Netzwerkes, in das auch Expert*innen eingebunden sind, ermöglicht den Teilnehmer*innen des Projektes beständige Kontakte zu Bürger*innen in den Konfliktländern und verschafft ihnen damit Zugang zu Informationen „aus erster Hand“.

Partnerorganisationen:
Center for Independent Social Research (CISR St.Petersburg), Imagine Center for Conflict Transformation (Tbilisi), Institut für Journalismus der Ukrainischen Katholischen Universität Lwiw (UCU)
Das Projekt wurde vom Auswärtigen Amt gefordert.

Gemeinsame Publikationen der Projektteilnehmer*innen:
1. Nina Petjanowa (Russland), Sofija Kotschmar (Ukraine): Erinnerung – tot und lebendig. http://novayagazeta.spb.ru/articles/10904/
2. Marija Strelzowa (Ukraine), Tatjana Elkina (Russland): Das Unsichtbare sehen. http://www.cogita.ru/pamyat/kultura-pamyati/uvidet-to-chto-nezrimo
3. Roman Huba (Ukraine), Tatjana Elkina (Russland): Der russisch-ukrainische Medienkrieg. http://www.cogita.ru/power/media-sostoyanie-smi/rossiisko-ukrainskaya-mediavoina
4. Tatiana Kozak (Ukraine), Yulia Korchagina (Russland): Blank Spots on the Holocaust Map. Attitudes toward the Jewish past are changing in Ukraine and Russia, but old ways of thought cling on. http://www.tol.org/client/article/26778-blank-spots-on-the-holocaust-map.html
5. Ksenia Babitsch (Russland), Katja Mjatschina (Ukraine), Jelisaweta Siwez (Ukraine): Der Kuss der Freiheit. http://www.cogita.ru/pamyat/kultura-pamyati/pocelui-svobody
6. Edita Badasjan (Georgien), Lala Alijewa (Aserbaidschan), Jana Ruban (Ukraine): Sprache und Konflikte: Russisch in Georgien, Aserbaidschan und der Ukraine. https://www.currenttime.tv/a/28491238.html
7. Ksenia Babitsch (Russland), Katja Mjatschina (Ukraine), Jelisaweta Siwez (Ukraine): Wie die Musik dem Konflikt und der Freundschaft dient. http://www.cogita.ru/power/media-sostoyanie-smi/kak-muzyka-konfliktovat-i-druzhit-pomogaet
8. Lala Alijewa (Aserbaidschan), Jana Ruban (Ukraine): Das Feuer des Ehrgeizes. Wie kann man den Konflikt bis auf "451 Fahrenheit" erhitzen? http://www.cogita.ru/pamyat/kultura-pamyati-praktiki/koster-tscheslaviya
9. Roman Huba (Ukraine), Valeriy Borodulin (Russland): Zu Besuch bei Honecker. http://www.cogita.ru/pamyat/kultura-pamyati-praktiki/v-gostyah-u-honekkera
10. Tatiana Kozak (Ukraine), Yulia Korchagina (Russland), Edita Badasjan (Georgien): Die unterschiedliche gemeinsame Vergangenheit. Wie erinnert man sich an die sowjetische Zeit in der Ukraine, Russland und Georgien? goo.gl/vtu2kE
Es wurde ein Essay von einer Teilnehmerin im Rahmen des Projektes vorbereitet und veröffentlicht:
Lisa Sivetz (Ukraine): Das Tagebuch von der Geschichtserinnerung der Kinder der Krim.
https://life.pravda.com.ua/columns/2016/11/7/219739/
Einige Artikel wurden auch auf http://caucasusedition.net/ru/  und http://www.platzforma.md/veröffentlicht.

Projektmanager:
CISR e.V. Berlin:  Dr.Sergey Rumyansev, Sevil Huseynova

Betreuer des Projekts:
CISR St.Petersburg: Dr.Viktor Voronkov, Oxana Karpenko
Imagine Tbilisi: Dr. Philip Gamaghelyan, Maria Kaarapetyan
UCU Lwiw: Dr.Prof.Oksana Mikheeva, Olga Myrovich

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